Gewinnung von Fachkräften: Kronach ist schneller als Nürnberg

Oberfränkische Region führt Talentpool ein

SPD-Stadträtin Katja Strohhacker

Im Mai 2013 beantragte die SPD-Stadtratsfraktion eine regionale Bewerber-Datenbank einzuführen, um Fachkräfte in Nürnberg zu halten oder Unternehmen schnell geeignete Mitarbeiter zu vermitteln. Eine Antwort aus dem Wirtschaftsreferat der Stadt steht seitdem aus. Die oberfränkische Region Lichtenfels, Kronach, Coburg ist da bereits einen Schritt weiter. Sie hat einen „Talentpool“ ins Leben gerufen. Bewerber, denen ein Unternehmen keine Stelle anbieten kann, die aber im Bewerbungsverfahren einen guten Eindruck hinterlassen haben, werden eingeladen sich einzutragen und sich anderen Firmen der Region zu präsentieren. „Genau das haben wir für Nürnberg auch beantragt. Jetzt werden wir von anderen Städten überholt. Während wir darauf warten, auf unsere Anregung eine Rückmeldung aus dem Wirtschaftsreferat zu bekommen, setzen andere Regionen auf kreative Ideen, um gute Mitarbeiter für ihre Firmen zu bekommen“, bedauert Katja Strohhacker, wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Stadtratsfraktion.

Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass die Suche nach qualifizierten Fach- und Führungskräften zeit- und kostenintensiv sein kann. Umgekehrt gibt es viele Bewerber, die auf der Suche nach einem guten Arbeitgeber sind, der vielleicht neue Perspektiven eröffnet. „Während es große Unternehmen manchmal mit einer Flut an Bewerbungen kämpfen, tun sich viele kleinere Firmen manchmal schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden“, weiß Strohhacker. „Ein Netzwerk zur gegenseitigen Kooperation, kann für alle Seiten einen Vorteil bieten. Wir fordern deshalb das Nürnberger Wirtschaftsreferat auf, unseren Antrag nun rasch zu bearbeiten und aktiv zu werden, ehe uns andere den Rang ablaufen“.

Der Talentpool der oberfränkischen Region ermöglicht es Unternehmen, sich gegenseitig Bewerber zu empfehlen und auf einfachem Weg Kandidaten für eine vakante Stelle zu finden. 50 Unternehmen wie die Loewe AG oder namhafte Automobilzulieferer sind registriert. Sie können derzeit auf 1500 Bewerbungen zugreifen. Initiativbewerbungen sind ebenfalls möglich. „Es ist doch schade, wenn Männer und Frauen, die in Bewerbungsverfahren auf den zweiten oder dritten Plätzen gelandet sind, einfach abgelehnt werden. Möglicherweise wären sie für ein anderes Unternehmen in der Region die idealen Kandidaten und könnten mit Hilfe eines Bewerberpools vermittelt werden“, meint Strohhacker und mahnt an, das Thema in Nürnberg nicht einfach zu ignorieren.